Das Ding mit dem Probenähen – Teil II

2017-08-12T08:00:07+00:00 12. August 2017|Kategorien: ...unterwegs, Probenähen|Tags: |0 Kommentare

…aus meiner Sicht als Schnittdesignerin

Inzwischen habe ich 3x zu einem Probenähen aufgerufen. Bei meinem ersten Aufruf ging ich noch sehr blauäugig an die Sache heran. Ich hatte keine Vorstellung was da auf mich zu kommt. Inzwischen habe ich aus eigenen Fehlern gelernt, diese (hoffentlich) ausgemerzt und gewisse Abläufe optimiert. 

Sicherlich hast du es auch bemerkt: wenn zu einem Probenähen aufgerufen wird, gibt es inzwischen eine laaaaange Latte an wünschenswerten Notwendigkeiten, die du mitbringen solltest, wenn du dich bewerben möchtest. Da kommt schon die Frage auf, was das soll, es geht ja nur um ein Probenähen. (Ich muss gestehen, das habe ich mich zu Beginn auch gefragt)

Diese Frage möchte ich beantworten und auch um etwas Verständnis “werben”.

Notwendigkeit I – absolute Priorität

Ohne eigenen Blog oder Facebook-page geht gar nicht.

Warum?

Sinn und Zweck eines Probenähens ist neben der Optimierung der Passform auch das Bewerben des neuen Schnittmusters. Und das erfolgt in den entsprechenden sozialen Netzwerken in denen du deine Erfahrungen während des Probenähens mitteilst und das fertige Modell dort präsentierst.

Ich persönlich schaue mir von den meisten Bewerberinnen die Blogs/FB-pages an. Wenn ich den Eindruck habe, dass mein Modell dort gut aufgehoben ist, dann ist für mich die Anzahl der Follower zweitrangig. Jede von uns hat mit wenigen Follower angefangen. Wenn ich die Liebe zum Thema und Mühe in der Aufbereitung in den Blogs finde, dann bist du auch mit weniger als 500 Follower herzlich willkommen in meinem Team.

Notwendigkeit II

Dein Blog sollte sich um das Thema Nähen, DIY etc. drehen.

Warum? 

Deine Follower sind deine Follower, weil sie sich für deine Themen interessieren. Wenn du bisher in deinem Blog zum größten Teil das Thema „Bienenzucht“ (ein beliebiges Bsp.) hattest, werden deine Follower wenig mit einem Post zum Probenähen anfangen können und diesem auch wenig Beachtung schenken.

Notwendigkeit III

Bewirb dich mit einem guten Foto! …mit einem wirklich guten Foto!

Warum? 

Ich, als Schnittdesignerin, möchte eine Vorahnung davon haben, wie du mein Modell, das du genäht hast später zeigen wirst. 

Wenn ich bei einer Bewerbung ein Foto bekomme, mit einem unaufgeräumten Schuhschrank im Vordergrund oder einem Wäscheberg im Hintergrund, fällt diese Bewerbung sofort durch. So möchte ich mein Modell sicherlich nicht präsentiert wissen.

Achte bitte bei der Auswahl des Fotos auch auf eine gute Auflösung, Belichtung und Schärfe.

 Collage meines Nähteams für das Schnittmuster “Carla” und “Betty”

Notwendigkeit IV

Zeit! 

Warum?

Ein Probenähen kann sich schon mal 3-4 Wochen in die Länge ziehen. 

Bitte schätze vorab deine Zeit, die du zur Verfügung hast, realistisch ein! Nichts ist frustrierender, als wenn mitten im Probenähen Mädels abspringen, weil sie ihre freie Zeit falsch beurteilt haben. Der neue Schnitt soll von vielen Mädels in unterschiedlichen Größen getestet werden. Und wenn dann welche fehlen… ist wirklich nicht so schön (Ausnahmesituationen gibt es natürlich immer).

Außerdem nehme ich mir Zeit, mein Nähteam zusammen zu stellen. Mehr als 20 Mädels nehme ich nicht, das wäre mir zuviel. Daher muss ich leider immer vielen absagen, was mir nicht leicht fällt. Deshalb ist es fair, wenn du dich nur dann bewirbst, wenn du wirklich ausreichend Zeit hast.

Notwendigkeit V

Du solltest bereit sein, auch mal ein Modell für „die Tonne“ zu nähen.

Warum?

Jeder macht mal Fehler, so kann es schon passieren, dass der erste Schnitt der Direktrice daneben geht und nicht mehr zu retten ist.

Notwendigkeit VI

dein Feedback zum Schnitt und ebook

Warum?

Das A und O ist dein Feedback. Der Schnitt soll durch dein Probenähen optimiert werden und evtl. Fehler im ebook oder schwer verständliche Passagen behoben werden.

Oh, oh eine Menge! Oder?

Aber eigentlich alles Dinge, die dann doch gar nicht so unrealistisch sind.

 

Wer tatsächlich diesen langen Post bis jetzt gelesen hat wird sich fragen: Und warum sollte ich mir das alles antun?

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Weil es, trotz der vielen Stunden, Spaß macht. Es ist mir eine große Freude, Teil einer kleinen Gruppe nähbegeisterter Mädels zu sein und Tipps und Anregungen zu geben, aber auch bekommen zu können. 

Und irgendwie geht es auch um die Ehre! Die Ehre, Anerkennung für sein Tun zu bekommen. Stolz zeigt jede von ihnen, dass sie dabei ist im Team. Ist doch irgend wie ein “Aushängeschild” für ihr Engagement und eine Bestätigung für ihre tolle Arbeit während dieser Zeit. 

Ich persönlich gebe mir dann Mühe, den Mädels etwas zurückgeben zu können. Indem ich ein “Ich bin dabei” Foto erstelle, mit dem meine Mädels ihr Dabeisein posten können.

 

Ich glaube sagen zu dürfen, dass sich jedes meiner Nähmädels mächtig ins Zeug legt, um am Ende ein wirklich tolles Ergebnis präsentieren zu können. Oft entsteht nicht nur ein Modell, sondern sogar mehrere in verschiedensten Variationen. Ich habe dann die Qual der Wahl bei der Auswahl der Fotos für die persönliche Collage. Für jedes meiner Mädels erstelle ich eine Collage mit den schönsten Fotos, um ihre Arbeit damit ins rechte Licht zu rücken und natürlich stolz zu zeigen, was der neue Schnitt so alles bieten kann. Verlinkt gehen die Collagen dann ins Netz und freuen sich auf zahlreiche Clicks aus dem großen weiten Nähuniversum. Wie schön ist es, wenn man nette Kommentare, Freundschaftsanfragen oder Anfragen für gemeinsame Projekte (ja, auch diese kommen) bekommt? Also für beide Seiten eine “win win” Situation.

Langsam entsteht so ein eigenes kleines Netzwerk mit vielen verschiedenen Kompetenzen. Jedes der Mädels hat neben der Näherei noch irgend eine „Spezialstrecke“, die jede aus meinem Team bei Bedarf gerne zu Rat ziehen kann.

Wenn dann die eigene Community immer größer wird, ist man doch auf dem richtigen Weg – wenn auch mit gelegentlichen Umwegen.

Ich habe durch das Probenähen so viele tolle Mädels kennengelernt. Selbst nach Beendigung des gemeinsamen Projektes “Schnittmuster-auf-den-Weg-bringen“, stehen wir noch im Kontakt. Wenn das nicht schon Grund genug wäre, immer wieder beim Probenähen mitzumachen! Umso mehr freue ich mich auf unser erstes Treffen im realen Leben im Herbst freue. 

Pfiadi!

PS: Schon bald werde ich wieder zum Probenähen aufrufen. Über deine Bewerbung würde ich mich dann freuen! Sei dabei! 

About the Author:

Hinterlasse einen Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu